Aigis

Kratzt, beißt, kann aber auch anders

Description:

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Bio:

Wo Aigis geboren wurde, kann sie nicht sagen, da sie sich nur noch schwach an die glücklichen Momente erinnert. Sie wuchs als normales Kind auf. Ihre Familie war verarmt. Sie kann sich noch daran erinnern, dass ihr Vater stets das Haus mit seiner Axt verließ und ihre Mutter die Wolle der Schafe aufbereitete und anschließend verkaufte. Ihre älteren Geschwister und sie selbst blieben dann zu Hause oder kümmerten sich um die Tiere.
Eines Abends kam ihr Vater nach Hause, er hatte eine hässliche Wunde an der Schulter und am Hals und einen wirren Blick, als er sie alle ansah. Aigis war sich sicher gewesen, dass sie den Abend noch jemanden bei ihrem Vater gesehen hatte, jedoch schien ihr niemand zu glauben. Danach schien sich alles für Kleinkind zu ändern. Sie spürte etwas in sich, in ihren kindlichen Träumen fühlte sie sich beobachtet und konnte dieses Gefühl auch am Tage nicht ablegen, irgendetwas schien sie zu begleiten.
Nach einigen Wochen kam es zu einem Streit zwischen ihren Eltern und während die kleine Aigis hilflos da stand und ihr Vater etwas über sie zu ihrer Mutter sagte, sie anschrie und anschließend die Hand erhob, um ihre Mutter zu schlagen und sich danach dem Kind zuwand, veränderte sich ihr Körper. Aus ihren Fingern wurden Pranken, ihr kleiner Körper verformte sich zu einem wendigen, schwarzen Katze und ihr Zähne wurden zu scharfen Fängen. Die hundsgroße schwarze Katze fuhr mit ihren Pranken um sich, aber war kaum stark genug sich gegen den schmerzenden Griff ihres Vaters zu wehren, welcher sie am Nacken packte.

Ab da verblassen die Erinnerungen von Aigis und ihr Martyrium begann. Ab diesem Moment wurde sie in einem dreckigen, kleinen Käfig gefangen gehalten, ihre Familie hatte Angst vor ihr, aber ihr Vater nutzte dies. Er führte seine Tochter vor, auf den Marktplätzen stellte er sie zur Schau. Eine Katze, welches sich in ein Mädchen verwandelte und andersherum. Angst und Schrecken stand den Leuten ins Gesicht geschrieben, aber zeitgleich waren sie auch so fasziniert gewesen, dass es ihren Kupfer und Silber wert gewesen war. Dass es sich natürlich um seine Tochter handelte, verschwieg er. Immer wieder dachte er sich neue Geschichten aus, wie es diese Bestie gefangen hatte, die Narben, die er am Hals und der Schulter waren, dienten ihm immer wieder dazu, eine neue Geschichte zu erfinden.
Aigis wurde angespuckt, getreten, verachtet. Sprach man mit ihr, so reagierte sie nicht. Sie starrte stur auf den Boden ihres Käfigs und ließ die Leute gewähren. Sie weiß nicht, wie lange sie dies ertragen musste, aber sie merkte, dass ihre „Familie“ vermögender wurde durch sie.
Irgendwann, in einer warmen Nacht, hörte sie Schreie, aus dem Haus über sich und ein beißender Geruch stieg ihr in die Nase. Die Schreie wurden lauter und jemand rief etwas, langsam wurde sie panisch, jedoch war es unmöglich für sie den Käfig zu öffnen. Schritte. Ihr Blick richtete sich auf die Treppen, von denen sie hastigen Schritte hörte. Seitdem sie sich verändern konnte, konnte sie in der Dunkelheit sehen und erkannte eine kleine Gestalt, nicht größer als ein Kind. Leise fluchend näherte sich die Gestalt und dem Käfig und Aigis blickte in das Gesicht eines erwachsenen Mannes. Ein merkwürdiger Kinnbart und ein Grinsen lag auf seinen Lippen. Das Mädchen war verwirrt und wusste nicht was es machen sollte, sie presste sich in die Stangen hinter sich. „Sch, keine Sorge, keine Sorge“, er nestelte an dem Schloss herum und nur einen Moment später sprang es auf. „Verschwinde von hier, lauf soweit du kannst und komm nicht wieder!“, sein Blick war hart und ernst geworden und von oben hörte man Stimmen und Schritte. 1bb850d1fc65c15504bff409aae75fac.jpg„Mädel, jetzt hau endlich ab!“, damit griff er an seinen Gürtel und warf etwas in die Richtung der Treppe, mit einem lauten Knall füllte sich der Keller mit einer dichten Nebelschwade. Die Panik wich und Aigis tat wie ihr befohlen wurde. Sie ändere ihre Gestalt und floh. Sie rannte aus dem Haus, aus dem Augenwinkel hatte sie ein Feuer gesehen, aber das war ihr egal. Der junge Panther fühlte etwas, ihr Herz war frei – sie fühlte sich zum ersten Mal frei.

Sie liebte die Natur, sie liebte ihren Wald. Irgendwann war sie zur Ruhe gekommen und die Tage verflogen. Sie lebte als Tier, sie lernte als Tier zu leben und war unabhängig von allem, manchmal fiel es ihr schwer. Oft erlitt sie schmerzende Wunden die sie soweit trieben, dass sie ihre menschliche Gestalt annehmen musste, um sich zu erholen. Viele Narben waren bereits
Als dies wieder einmal passiert war und sie sich mit Geschöpfen des Waldes angelegt hatte, wachte sie danach in einem, für sie, weichen Bett auf und schreckte hoch. Vor lauter Panik krachte sie aus dem Bett und spürte dann einen stechenden Schmerz, der sie direkt zusammen sacken ließ. Eine alte Frau mit trüben Augen kam auf sie zu und sah ihr ins Gesicht. „Du riechst nach Wald, Liebes.“ Die Stimme war kratzig, alt und tat Aigis ja fast in den Ohren weh. „Sei froh, dass Vy dich gefunden hat.“ Die alte Frau starrte Aigis weiter an, zumindest glaubte sie das, irgendwann erkannte das Mädchen, dass die Frau blind war. Schließlich sah sie, dass ihre Wunde verbunden worden war und eine junge Frau in die Hütte kam. „Du bist wach“, rief sie entzückt und kam auf sie zu, worauf Aigis beinahe wieder nach hinten gestolpert wäre. „Gut, gut“, sie sah auf den Verband. „Ich frag mich ja, was so ein junges Ding wie du im Wald gesucht hast!“, die rothaarige Frau mit die vielen Sommersprossen im Gesicht – Aigis war fasziniert von diesen ganzen Punkten – Kräuter auspackte und weiter sprach. „Niemand kennt dich oder zumindest kann niemand im Dorf etwas mit deiner Beschreibung anfangen, aber wir werden deine Eltern schon finden.“ Sie plapperte die ganze Zeit weiter, während das junge Mädchen nicht mal mehr wusste, wie sie ihre Worte finden konnte.

Vy hatte irgendwann gemeint, dass Aigis jetzt 12 sein müsste, zumindest sah sie vom Körper her so aus wie die Mädchen mit 12, nur mit mehr Narben. Aigis hatte gelernt, dass nahe dem Wald in dem sie lebte, sich eine kleine Siedlung mit einigen Menschen befand. Ein klein bisschen abseits war die Hütter von Vy mit ihrer Großmutter, welche die Kräuterkundler des Dorfes waren. Aigis hatte nie mit Vy oder ihrer Großmutter gesprochen, sie gingen davon, dass das Mädchen stumm war und es deswegen einfach ausgesetzt wurde. Sie blieb einige Tage bei Vy, bis sie sich erholt hatte, ehe sie sich wieder in die Wildnis begab. Die rothaarige Frau hatte sie angefleht zu bleiben, doch Aigis wollte nicht, sie vermisste ihren Wald, jedoch kehrte sie immer wieder bei ihr ein und brachte ihr etwas von der Jagd mit, auch wenn sie sich immer wieder unwohl fühlte, wenn sie sich als Mensch bewegte. Als Gegenleistung zeigte ihr Vy, wie sie sich selbst helfen konnte mit den örtlichen Kräutern.

Als der erste Winter, nachdem sie Vy kennen gelernt hatte, mitten in seiner härtesten Zeit war, kehrte Aigis wieder einmal zu ihren zurück. Sie hatte nur wenig erjagt, der Winter waraber wollte ihren trotzdem etwas abgeben. Jedoch war dieses Mal etwas anders. Als sie sich der Hütte näherte, lag ein beißender Gestank in der Luft. Sie wechselte ihre Gestalt und eilte zu der Hütte, jedoch war von dieser nicht mehr viel übrig, bis auf glimmende Holzbalken. Nicht weit von davon entfernt waren Schritte im Schnee und frisches Blut war im Schnee. Sie hetzte dieser Spur hinterher und fand Vy in einer riesigen Blutlache. Sie rannte zu ihr und leckte ihr das Gesicht. Die Rothaarige war noch am Leben und hob ihre Lider. „Ai…gis…“, Blut floss aus ihrem Mund während sie sprach. Der Panther nahm gar nicht wahr, dass Vy anscheinend wusste, wer sie war in dieser Gestalt. Aigis veränderte ihre Gestalt und griff nach dem Gesicht ihrer Freundin. Aus den Augen wich langsam der letzte Funke und Tränen vermischten sich mit dem Blut auf ihrem Gesicht. „Vy… bleib… bei mir“, presste sie hervor, aber sie reagierte nicht mehr und das dunkelhaarige Mädchen drückte den Körper an sich, während ein wilder Schrei ihrer Kehle entfuhr.
Aigis preschte in ihrer Gestalt zurück zur Hütte und folgte den Spuren zu den Häusern der Siedlung. Wut und Trauer erfüllten ihren Körper. Sie erkannte kleine Gestalten die sich in irgendeiner ekligen Sprache unterhielten. Dolchartige Waffen waren in ihren Händen und schienen Spaß daran zu haben die Häuser nieder zu brennen und Leute zu töten. Zu ihren Füßen lagen ein paar Kinderleichen, während aus dem Haus vor ihren die letzten Schreie zu ersticken schienen. Der Panther sprang in die kleine Gruppe und riss sie nieder.
Als es vorbei war, war ihr Körper mit neuen Wunden übersät, doch das war ihr egal, sie kehrte zu Vy zurück und trug den Körper zurück zur Hütte, von der Großmutter war nichts mehr übrig, zwischen den glimmenden Holzbalken und sie hatte Hunger, die Jagd hatte sie hungrig gemacht, aber sie wusste, dass sie in ihrem Zustand nichts finden würde, da sie zu schwach war und elendig verhungern würde. Ihr letzter Blick glitt zu Vys Körper…

Einige Jahren waren verstrichen. Aigis hatte sich zurück gezogen, wieder einmal. Sie zog umher und schien im Herzen erkaltet zu sein. Da sie wusste, mit welchen Kräutern sie ihre Verletzungen pflegen konnte und das manchmal nur das Kauen ausreichte, verbrachte sie ihre Zeit fast nur noch in der Form des Panthers.
Eine angenehme Melodie weckte sie aus ihrem Schlaf. Es war Frühling, der Morgen war noch kühl, aber die ersten Strahlen waren warm und fielen ihr auf die narbige Schnauze. Sie war neugierig, noch nie hatte sie so eine schöne Melodie gehört und folgte dieser. Während sie dies tat hörte sie Schritte um sich und erkannte, dass auch andere Tiere dieser Musik gefolgt waren und schließlich auf einer kleinen Lichtung kam sie zum Stehen und erblickte einen Mann, der auf Panflöte spielte, während sich die Tiere vor ihm versammelten. Als sich Aigis setzte, öffnete er seine blauen Augen und schaute sie neugierig an. In seine Haaren waren Federn geflochten worden und Symbole waren auf dem Handrücken und seinen Wangen gemalt worden.
9418cbd42a5847e749aeaae91c22cba3.jpgWie er seine Melodie zu ende führte, sprangen die meisten Tiere auf und huschten zurück in das Dickicht aus dem sie gekommen waren, nur Aigis schien zu bleiben und sie schien in seinem Blick zu versinken. Er trug Stoff und Felle, an seiner Kette waren für sie unbekannte Symbole und er neigte den Kopf zur Seite. „Ein Gestaltenwandler“, raunte er. Die Stimme ging ihr durch Mark und Bein und kurz zog sie die Lefzen hoch. „Ich würde nur gerne wissen, wieso du in meinem Hain jagst, Panther.“ Er stand auf und nahm etwas zu Hand, was aussah wie ein Holzschwert, nur mit sehr übel aussehenden Reißzähnen als Klinge. „Du siehst aus, als hättest du schon einiges hinter dir. Du kannst dir aussuchen, ob du gehst oder ich dich verjage.“ Sie stieß ein Knurren aus, immer noch fühlte sie sich, als könnte sie sich nicht bewegen und sah ihn an. Es dauerte einen Moment, während er auf sie zuging und sie sich aus diesem Bann befreien konnte. Sie sprang zurück und senkte den Kopf, legte die Ohren an und stieß ein Knurren aus. „Also willst du nicht freiwillig gehen… gut.“ Blitzschnell riss er die Klinge hoch und hieb in ihre Richtung, jedoch ließ er seinen Angriff in Leere gehen, als er sah, dass eine junge, unbekleidete Frau an der Stelle stand, wo eben noch der Panther war. Eine Röte schoss ihm ins Gesicht und er starrte sie an. „Ich… heiße Aigis“, sprach sie leise, kaum hörbar. „Und ich wohne hier…“, sie sah ihn mit großen grünen Augen an, während sie wild auf ihr Zuhause deutete und ein merkwürdiges Grinsen legte sich auf ihre vernarbten Lippen.

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Nachdem die Gruppe geschunden aus der Glashütte gekommen war, hatte sich Aigis in ihre Felle gewickelt, so dass nur noch ihre Nasenspitze herausschaute, welche sich nach wenigen Momenten in eine schwarze, feuchte Nase verwandelt hatte. Schnell schlief sie, während das Feuer neben ihr brannte.
Der Mond stand hoch am Himmel und es war Ruhe in Sandspitze eingekehrt. Niemand bemerkte dieses flirrende Licht, welches in der Hütte der Helden von Sandspitze verschwand.
Aigis hatte sich aus ihren Fellen gerollt, lag auf dem Rücken und streckte alle Viere von sich. Ihre Schwanzspitze bewegte sich im Schlaf langsam von links nach rechts und einen Raunen kam aus ihrem Maul. Das kleine flirrende Licht ließ sich auf ihrer Nase nieder und verblasste langsam, so dass man eine zierliche kleine Gestalt erkannte. „Hey, aufwachen!“ Er trat mit seinem Fuß auf der trockenen Nase herum, aber außer das der Panther einen kräftigen Schnaufer von sich gab, tat sich nichts. „Oh, schön… ja, gebt Jox die Aufgabe einen Druiden zu finden“, murmelte die kleine Gestalt vor sich hin, während er nach seinem Gleichgewicht suchte. „Jox wird das schon machen, er findet den besten Druiden“, murmelte er weiter und griff nach einem Schnurrhaar und zog daran. „Hey, nun wach endlich auf! Ich brauche deine Hilfe!“ Einen Raunen des Panthers der sich mit Schwung auf den Bauch drehte, um weiter zu schlafen. Den Pixie namens Jox riss es dabei von den Beinen und sein weißes Licht, welches von den Flügeln ausging, verwandelte sich nun in ein dunkles Rot und er landete vor ihrer Nase. „Du-musst-aufwachen!!“ Nun hatte er zwei Schnurrhaare in seinen Händen und zog daran herum, ehe sie fest miteinander verknotete und mit seinem kleinen Holzspeer, der aussah wie ein winziger Zahnstocher, ihre Nase angriff.
Aigis kräuselte ihre Nase und schlug langsam ihre Augen auf und sah ein fluchendes, rotes Licht vor ihrer Nase. „Ah, du bist wach!“ Das Licht schwirrte nun vor ihren Augen rum mit denen sie wie wild blinzelte. Kurz schaute sie zu ihren Gefährten, diese schliefen tief und fest und hatten anscheinend nichts mitbekommen. „Jox mein Name und ich brauche deine Hilfe, also komm mit.“ Er erhob sich und schwirrte davon, der Panther hingegen verfolgte neugierig das kleine Ding, welches sich wegbewegte. „Also“, sie erkannte, dass er anscheinend seine Hände in die Hüften stemmte, während er durch die Luft schwirrte. „Wenn du nur ansatzweise auf den Gedanken kommst, mich zu fressen… oder auf mir herumzukauen, weil deine Gedankenweise gerade die eines kleinen kuscheligen Kätzchens ist – lass es! Und jetzt komm endlich, wir haben ein Problem im Wald.“ Anscheinend hatte er jetzt ihre Aufmerksamkeit. Kurz schob sie ihre Felle zusammen, ditschte jedem nochmal kurz ihre Nase ins Gesicht, um sicher zu gehen, dass sie auch wirklich schliefen und folgte dem Pixie. Bei Meredith schien sie sogar Pixiestaub zu erkennen, zog aber schnell weiter.
Rasch waren sie aus der Stadt raus und erreichten den Wald. „Ich merk schon, du bist nicht gerade von der gesprächigen Sorte, huh?“ Aigis blinzelte ihn ein bisschen verlegen an, während sie dem Licht folgte. „Nya, ist ok. Denke ich. Außer du bist kein Druide, sondern ich spreche die ganze Zeit mit einem Panther… das würde natürlich für einiges an Gelächter sorgen“, während er sprach sackte er dabei in der Luft leicht ab, spürte dann aber, dass die Gestalt neben ihm sich wandelte und Aigis als Mensch neben ihm war. „Ophiya’s Titten, erschrick mich nicht so!!!“, ein roter Staub fiel von seinen Flügeln ab und er schwirrte wild um sie herum, während hin und wieder ein „ah“ und „hmhm“ folgte. „Mein Name ist Aigis“, sprach sie leise und streckte ihre Hand aus, damit Jox darauf landen konnte, was er auch tat. „Mein Name ist Jox“, völlig theatralisch untermalt, beugte er sich vor und richtete sich dann wieder auf. „Wie ich schon sagte, wir haben ein Problem und ich hoffe, dass du uns helfen kannst.“ Aigis runzelte die Stirn. „Du siehst noch recht jung aus für einen Druiden, hah, ich hoffe, du hast irgendwie Ahnung von dem was du tust. Aber du scheinst ja zumindest schon mal einen Pixie gesehen zu haben. Die meisten stecken das irgendwie nicht so leicht weg, wenn da auf einmal so ein flirrendes Licht vor einem rumschwirrt. Oh, bei einigen ist es sogar sehr lustig. Schreiend springen sie dann auf und wenn ich mich kurz unsichtbar mache, um dann wieder vor ihrem Gesicht zu schwirren – hach, herrlich!“ Irgendwie schaffte es Jox die ganze Zeit vor sich hin zu plappern, während Aigis sich fragte, ob sie das richtige getan hatte.
Sie folgte dem plappernden Pixie eine Weile, sie hatte kein genaues Gefühl dafür, nur dass sie sich seit einer Weile durch den Wald bewegten und das Mundwerk des Pixies die ganze Zeit nicht still stand. Sie hatte mittlerweile erfahren, dass er 13 Kinder hatte und seine Frau die schönste aller Pixies war und das es da auch noch einen verhassten Nachbarn gab, der wohl schon 17 Kinder hatte und von seiner Frau sagte, dass sie viel schöner wäre.
Auf einmal durchfuhr etwas die junge Frau und die Umgebung schien sich verändert zu haben. Etwas leichtes lag in der Luft und sie fühlte sich leicht eingelullt. „Oh, wir sind fast da“, plapperte Jox weiter und schwirrte vor ihr herum. „Du wirst es gefühlt haben, oder?“ Er war sich natürlich sicher, dass sie etwas gespürt haben musste und sie nickte knapp. „Wusste ich es doch… hah! Ich hab doch den besten Riecher, wenn es darum geht einen Druiden zu finden.“ Nach dieser Aussage schwirrte er weiter voraus und Aigis verlangsamte ihren Schritt. Etwas fühlte sich vertraut hier an, aber auch fremd. Die Kräuter die hier wuchsen, sie hatte einige davon noch nie gesehen. War sie vorher blind an ihnen vorbei gegangen? Als sie merkte, dass Jox fast außer Sichtweite war, lief sie ihm nach und es dauerte nur noch wenige Minuten, ehe er in der Luft anhielt. „Ich bin wieder da~“, flötete er und es dauerte keinen Moment, und ein Schwarm aus lauten Pixies kreiste um die beiden herum. Wild plappernd verstand Aigis natürlich kein Wort, ein paar der Pixies schwirrten in ihrem Haar rum und ihr Blick wurde mehr als beängstigend. „Mahahaha“, Jox ploppte vor ihrer Nase auf. „Wir sind da und das ist meine Familie“, hörte sie zwischen dem wilden Geplapper, das Ziepen und Ziehen ihrer Haare nahm sie kaum wahr, hier und da schwirrte auf einmal eine Blume herbei und ihr Kopf erstrahlte in Pixiestaub.
Nach einigen Momenten, die Jox anscheinend auch brauchte, um seine Kinder zu beruhigen, hatte sich Aigis auf dem Boden niedergelassen und die Pixiemädchen hatten feine Zöpfe in ihr Haar geflochten, mit Blumen geschmückt und verschiedene Materialien eingearbeitet. „Wir hoffen es gefällt dir!“, sagten sie im Chor und schwirrten davon, ehe ein recht stolzer Jox wieder auftauchte. „Tja, so sind sie, meine Kinder, und das steht dir richtig gut, Mädel!“, er grinste breit und Aigis nutzte jetzt endlich mal den Moment sich umzusehen. Sie befand sich in einer wunderschönen Lichtung, an den Bäumen waren kleine Behausungen, teils von Pilzen überdacht und mit Moos bewachsen. Auf dem Boden befand sich anscheinend ein kleiner Garten, also noch kleiner als klein, aber er wirkte etwas durchgewühlt, passte nicht zum Recht. Jox fing ihren Blick ein und wurde ernster. „Ja genau, deswegen hab ich dich gebraucht.“ Er schwirrte in die Richtung des Gartens und ließ sich nieder. „Ein Ungetüm sucht täglich unseren Garten heim und wenn das so weiter geht, werden wir nicht genug Samen haben, um die harten Zeiten zu überstehen.“ Aigis blinzelte. „Ein Monster?“, fragte sie überrascht. Sie konnte sich so etwas hier beim besten Willen nicht vorstellen. „Ja“, rief Rox aus und hob wieder ab. „Sooo hoch“, er schwirrte in etwa auf einer Höhe von 40 cm. „Und es macht hier alles kaputt! Meine Mädchen versuchen jeden Tag alles wieder ordentlich zu machen… aber es bringt einfach nichts und deswegen brauch ich deine Hilfe!“ Er surrte in ihre Richtung. „Du musst dem Ding halt sagen, dass es das nicht mehr machen soll!“ Die junge Frau war ein bisschen baff, denn damit hatte sie jetzt nicht gerechnet.
Nachdem Jox ihr noch einiges von dem Monster erzählt hatte – Aigis wurde aus den Erklärungen nicht schlau – es hatte Klauen, ein gefährliches Maul und einen lauten ekligen Schrei, hatten sich auch die anderen Pixies beruhigt und die junge Frau sah sich die Spuren an, die sie noch erkennen konnte, aber auch dies brachte sie nicht weiter. „Wir sollten einfach warten, bis es kommt. Bestimmt in der Früh, Aigis. Komm, ich lad dich einen Honigtropfen ein!!“ Damit schwirrte er wieder davon und brachte ihr dann einen Grashalm, an dem ein kleiner, stecknadelgroßer Tropfen war. Natürlich probierte sie ihn und er schmeckte wunderbar.
Je länger Aigis hier war, desto vertrauter fühlte es sich an, sie hatte noch einen Moment geschlafen, auf dem weichen Moos, ehe sie panische Pixieschreie hörte und ihre Augen öffnete. „Das Monster ist da!“, hörte sie ein Mädchen rufen und sprang direkt auf. Sie hörte den Schrei des Monsters, aber irgendwie… kannte sie den Schrei. Pixies schwirrten wie wild über ihrem Garten und Aigis erblickte ein weißes Huhn, mit einem schwarzen Fleck auf dem Rücken. Wild gackerte es vor sich hin, während es den Boden zerscharrte und mit dem Schnabel die Samen wegpickte. Aigis änderte ihre Gestalt und nahm das Huhn ins Visier. Es dauerte nur wenige Momente, ehe sie sprang und das Huhn mit ihren Pranken packte, um dann festzustellen, dass es sich scheinbar in Luft aufgelöst hatte und sich etwas veränderte hatte.
„Oh große Ophiya!!“, hörte sie Jox rufen. „Was bringt dich denn hier her?“ Aigis raffte sich auf und drehte sich in die Richtung des Gesprächs, damit erblickte sie auf Ophiya. Sie war wunderschön, Blüten umschmeichelten ihre Rundungen, ihr langes Haar war, wie nun auch ihr eigenes, mit Blumen und anderen Dingen geschmückt. Ihr Blick war hart, aber ihre Züge verrieten etwas anderes.
„Soso, du hast dir also einen Druiden geholt“, raunte sie und ihre Stimme ging Aigis durch Mark und Bein. „Was sollte ich denn tun, wenn tagtäglich dieses Monster meinen Garten überfällt!?“ Die augenscheinliche Herrscherin des Waldes kam langsam auf ihn zu. „Monster?“, quietschte sie fast. „Wer ist denn hier derjenige gewesen, der in meine Unterwäsche gepixt hat!?“, sie schnaufte hart und Aigis riss die Augen auf und blinzelte verwirrt. Der Staub von Jox wurde leicht bläulich und er griff sich an den Kopf. „Ich spiel nun mal gerne Streiche…“, murmelte er leise. „Ja, aber mir ins Höschen stauben… du weißt doch, das juckt!“ Er fing an zu lachen. „Deswegen ist es doch aber auch so witzig!!“ Aigis klimperte weiter den Augen und verstand die Welt nicht mehr. Ophiya lachte nun auch leicht. „Und wenn ich dir mal einen Streich spiele, musst du gleich jemanden holen…“, mit diesen Worten blickte sie auf Aigis und schien auf einmal sehr angetan. „Ah…“, langsam, fast hypnotisierend im Gang, bewegte sich Ophiya auf Aigis zu, die sich ein wenig unwohl fühlte. „Mein Name ist Ophiya, mir gehört das, was du hier siehst, kleines Kätzchen.“ Sie hob ihre Hand und strich sacht mit ihrem Daumen über die vernarbten Lippen. „Mhmm…“, ihr Zeigefinger strich über eine der Narben. „Du bist … selten“, raunte sie ihr ins Ohr. „Was ist mit ihr?“, hörte sie Jox‘ Stimme, doch die Herrin des Waldes schien gerade nur Augen für Aigis zu haben. „Du hast etwas sehr altes und mächtiges…“, sprach sie sorgfältig und sah in die fragenden Augen von Aigis. „Ich dachte, er wäre schon längst… weg…“, sie strich über die nächste Narbe. „Hnn… Sag, wolltest du es?“
Aigis war wie versteinert. Ihre Gliedmaßen wollten sich nicht mehr bewegen und sie war in den lilafarbenen Pupillen gefangen. „Ich weiß nicht, was du meinst…“, antwortete sie leise und schluckte hart. „Nicht?“, ihre Lippen waren fast vor denen von Ophiya. „Nein“, wisperte sie. Ophiya drehte sich weg, erst jetzt schien Aigis wieder ihre Lungen mit Luft füllen zu können und sie rang nach Luft. „Du hast etwas wofür einige… viel geben würden, kleines Kätzchen. Und du suchst jemanden, richtig?“ Aigis riss die Augen auf und nickte. „Ja!“ „Allerdings, kenne ich ihn nicht… nur den, den du fürchten solltest.“ Sie drehte sich wieder zu Aigis und ließ sich auf einem Blumenthron nieder – Aigis konnte es nicht richtig erkennen. „Kleines, wildes Kätzchen… du bist wirklich ein Kind des Waldes.“, sie lächelte ehrlich und Jox landete auf ihrer Schulter. „Du hast ihm geholfen, auch wenn es seine eigene Dummheit, möchte ich dir etwas geben. Du bist seinem Ruf gefolgt und… bist… Hn… ich mag dich“, sie grinste breit, was ihr beinahe die komplette Ernsthaftigkeit nahm. „Ich will, dass du dich um ihn kümmerst.“ „Um mich!?“, platzte es aus Jox heraus, jedoch verdrehte sie nur die Augen und vor Aigis Füßen erschien ein kleines Fellknäuel. „Seine Mutter hat ihn verstoßen, die Pixies haben sich eine Weile um ihn gekümmert, aber bei dir sollte es ihm besser gehen.“ Aigis ging in die Knie und dort lag ein kleines Kätzchen oder zumindest etwas, was dem ähnlich sah. Die Ohren liefen spitz zu und sahen wie Pinsel aus, der Schwanz war dick und buschig, der Blick war herzerweichend. „Wenn die Zeit gekommen ist, werde ich dich nochmal rufen, Kind des Waldes“, raunte sie. „Und nun geh wieder zu deinen Freunden“, mit diesen Worten kam sie wieder auf Aigis zu. „Und, Kätzchen, hüte dich vor seinem Blick, meide seine Augen, versuch es“, ihre Stimme klang besorgt und sie strich über ihr Haar und schließlich die Augen. Aigis wurde von einer Müdigkeit überwältigt.
Als sie aufwachte, erblickte sie das kleine Kätzchen neben sich. Sie war müde und raffte sich auf. Der Wald war wieder so wie sie ihn kannte, die ihr unbekannten Kräuter waren nicht da und der Geruch war der Alte. „Aber… geträumt habe ich nicht, oder?“ Sie schaute das Kätzchen an, welches laut schnurrte. Die junge Druidin änderte ihre Gestalt, nahm das kleine Fellknäuel und machte sich auf den Weg zurück nach Sandspitze.

Aigis

Das Erwachen der Runenherrscher, Komfort muss sein zakked3 yaylania